Mehltau

Echter Mehltau auf der Oberseite eines Blatts des Hartriegel-Strauchs.

Mehltau ist ein Sammelbegriff für verschiedene Pilzarten, die als Pflanzenschädlinge bekannt und gefürchtet sind. Es wird unterschieden zwischen dem Echten (Erysiphaceae) Mehltau und dem Falschen (Peronosporaceae) Mehltau. Beide Pilzfamilien befallen zumeist die Blätter sowie frische Triebe von Pflanzen, bilden einen Pilzbelag an deren Oberfläche und entziehen ihnen Wasser und wichtige Nährstoffe. Ohne Gegenmaßnahmen kann Mehltau zum Absterben der gesamten Pflanze führen. Da viele Nutz- und Zierpflanzen alljährlich vom Mehltau heimgesucht werden, sind diese Pflanzenschädlinge nicht nur für Hobbygärtner ärgerlich, sondern auch von immenser wirtschaftlicher Bedeutung.

 

Der Fakten-Check: die wichtigsten Informationen zum Mehltau!
  • Aussehen: weißer, puderartiger Pilzrasen auf der Oberseite der Blätter (Echter Mehltau). Oder aber gräulich-blauer Pilzrasen auf der Unterseite der Blätter (Falscher Mehltau).
  • Schadbild: Pilzrasen auf Blättern und neuen Trieben. Verfärbung, Vertrocknung und Einrollen der Blätter. Wachstumshemmungen und Eingehen der gesamten Pflanze. Vertrocknung und Aufplatzen der Früchte.
  • Gegenmittel: Vorbeugende Maßnahmen, Hausmittel, Biologische Pflanzenstärkungsmittel, Chemische Pflanzenschutzmittel
 

Echter Mehltau

echter_mehltau

Echter Mehltau auf einem Pflanzenblatt. Der weiße Pilzrasen befindet sich auf der Blattoberseite und abwischbar.

Die Echten Mehltaupilze (Erysiphaceae) sind eine Familie mit mehr als 19 Gattungen, zählen zu der Klasse der Leotiomyceten und somit zu den Schlauchpilzen (Ascomycota). Sie alle sind alleine ohne eine Pflanze als Wirt nicht überlebensfähig und leben auf der Oberfläche dieser (es handelt sich um so genannte obligate Ektoparasiten. Das Pilzgeflecht (oder auch Myzel) der Pilze wächst zumeist auf den Blattoberseiten der befallenen Wirtspflanzen, sichtbar als weißer, mehlartiger Belag (siehe Bild). Diesen kann man ohne Probleme mit den Fingern abwischen. Im Gegensatz zu vielen anderen parasitären Pilzen dringt der Echte Mehltau nicht in das Pflanzengewebe ein, sondern bildet sein Myzel lediglich auf der Oberfläche der Pflanzen (deswegen Ektoparasit). Um sich trotzdem mit Nährstoffen zu versorgen, bilden die Pilze so genannte Haustorien aus. Dies sind winzig kleine Organe, die sich durch die Zellwand der äußeren Blattzellen (Epidermis) bohren, fest verankern und diese dann aussaugen. Sie werden auch Saugfortsätze genannt und funktionieren ähnlich den Saugrüsseln von Blattläusen. Somit sichert sich der Echte Mehltau seine Versorgung mit Wasser und Nährstoffen. Die Blätter der betroffenen Pflanzen welken infolge des Wasser- und Nährstoffmangels und fallen ab. Die Sporen des Echten Mehltaus verbreiten sich passiv über Wind und Insekten. Die Umschreibung „Schönwetterpilz“ rührt daher, dass diese Pilze warmes und trockenes Wetter bevorzugen und es bei eben diesen guten Bedingungen zu einem explosionsartigen Befall in Garten und Landwirtschaft kommen kann. Besonders häufig geplagt sind Rosengärtner und Weinbauern, die fast jedes Jahr gegen den Echten Mehltau ankämpfen müssen.

 

Falscher Mehltau

Die Falschen Mehltaupilze (Peronosporaceae) bilden eine Ordnung innerhalb der Eipilze (Oomycota), auch Algenpilze genannt, und sind biologisch gesehen keine echten Pilze, sondern näher verwandt mit den Braun- und Kieselalgen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zählt der Falsche Mehltau innerhalb Europas zu einem gefürchteten Pflanzenschädling in Landwirtschaft und Gartenbau. Anders als der Echte Mehltau sind diese Erreger Endoparasiten und dringen durch die Spaltöffnungen (Stomata) an den Blattunterseiten der Pflanzen in das Gewebe des Wirtes ein. Die Ausbildung des Pilzgeflechts (Hyphen) findet dann zwischen den Pflanzenzellen statt. Typischerweise bildet sich auf der Blattunterseite der Pflanzen ein gräulich-bläulicher Pilzrasen. Erst im fortgeschrittenem Stadium zeigen sich typische gelbe und braune mosaikartige Flecken auf der Blattoberseite. Die parasitäre Versorgung mit Nährstoffen findet auch beim Falschen Mehltau mithilfe ausgebildeter Haustorien statt, die sich durch die Zellwände benachbarter Pflanzenzellen bohren und diese aussaugen. Auch hier lässt der Nährstoffmangel die Blätter der betroffenen Pflanzen vergilben und abfallen. Arten des Falschen Mehltaus bevorzugen feucht-warme Bedingungen und können sich zum Beispiel sehr gut in Glashauskulturen vermehren. Bekannte Beispiele sind der Falsche Mehltau an der Weinrebe (Plasmopara viticola) und die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln (Phytophthora infestans). Weiterhin beliebte Wirte für die Eipilze sind unter feucht-warmen Bedingungen Rosen, Sonnenblumen, Kopfsalat, Rüben und Hopfen.

Um Verwechslungen zwischen dem Echten und dem Falschen Mehltau zu vermeiden, sind hier nochmal die wichtigsten Unterschiede kurz zusammengefasst:

Echter oder Falscher Mehltau?
  • Echter Mehltau:
    • weißer Pilzrasen auf Blattoberseite
    • Myzel lediglich auf der Pflanzenoberfläche
    • bevorzugt trocken-warme Bedingungen
  • Falscher Mehltau:
    • weißer, oder aber gräulich-bläulicher Pilzrasen auf Blattunterseite
    • Myzel dringt in das Pflanzengewebe ein
    • bevorzugt feucht-warme Bedingungen

 

Lebensweise und Verbreitung

Sowohl der Echte als auch der Falsche Mehltau sind weltweit verbreitet. In Europa sind beide als in Garten und Landwirtschaft als Pflanzenkrankheit gefürchtet, dabei tritt der Echte Mehltau vermehrt in der freien Landwirtschaft und im Gartenbau, der Falsche Mehltau hingegen vor allem in Glashauskulturen auf.

Mehltau_Myzel

Das Pilzgeflecht des Echten Mehltaus. Das feine Myzel des Pilzes kann man nur unter dem Mikroskop erkennen.

Der Echte Mehltau bildet zur Überwinterung zumeist Sporen, die sehr resistent gegenüber Temperatur und Witterung sind. Weiterhin kann er aber auch bei milderen Temperaturen als Myzel auf den Knospen und Zweigen von Pflanzen den Winter überstehen. Sobald die Temperaturen ansteigen können Sporen oder verbliebendes Myzel wieder austreiben. Schnell entsteht ein stabiles, oberflächliches Geflecht aus Myzel (siehe Bild) und es werden so genannte Konidienträger ausgebildet. Wie der Name schon sagt, tragen diese die Konidien (Sommersporen), welche für die asexuelle und zum Teil massenhafte Vermehrung des Pilzes während der Vegetationsperiode verantwortlich sind. Konidien sind so klein und leicht, dass sie vom Wind und von Insekten fortgetragen werden und neue Infektionsherde auf entfernteren Pflanzen bilden können. Die Verbreitung über diese Sporen wird durch trockenes wie ebenso durch schwül-warmes Wetter begünstigt. Die meisten Arten des Echten Mehltaus können sich bei Temperaturen um die 20°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit unter 50% am effektivsten verbreiten. Aufgrund dessen kommt es häufig in einem trockenen und warmen Frühling zu einem explosionsartigen Ausbruch dieser Pflanzenkrankheit. Gegen Ende der Vegetationsphase, also zumeist im Spätsommer oder Herbst, hören die Pilze auf Konidienträger zu bilden und beginnen stattdessen mit einer sexuellen Vermehrung. Hierzu verschmelzen unterschiedliche Pilzfäden miteinander und bilden Fruchtkörper (so genannte Kleistothezien) aus, die aber mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Diese Fruchtkörper enthalten Ascosporen, die nochmals kleiner als die Konidien und zur Überwinterung geeignet sind.

Auch der Falsche Mehltau überwintert mittels resistenter Sporen (bei den Eipilzen Oosporen genannt), im Gegensatz zum Echten Mehltau aber zumeist im Laubboden. Ab einer Temperatur von etwa 11°C können diese austreiben und bilden zunächst kleine „Fruchtkörper“ (so genannte Sporangien, da sie keine echten Pilze sind), die sehr viele Sporen enthalten. Eine Besonderheit bei diesen Sporen ist, dass sie Geißeln besitzen. Mithilfe dieser kleinen Härchen können sich die Sporen im Wasser aktiv fortbewegen. Anders als die Arten des Echten Mehltaus benötigen diese Sporen also Wasser, um sich zu verbreiten. Bei feucht-warmen Wetter (das Optimum liegt zwischen 15 und 20°C) und im speziellen bei Regenfall können sie dann die Blattunterseiten der Wirtspflanzen erreichen. Hier liegen für gewöhnlich die Spaltöffnungen der Pflanzen, die der Falsche Mehltau nutzt um in das Pflanzengewebe einzudringen. Auch für die weitere asexuelle Verbreitung mittels an den Blättern gebildeten Sporangien benötigt der Pflanzenschädling ausreichend Feuchtigkeit. Bei hoher Luftfeuchtigkeit (beispielsweise in einem Glashaus oder Wintergarten) können die Sporen problemlos weit entfernte Pflanzen befallen und neue Infektionsherde bilden. Üblicherweise im Herbst kommt es dann zu einer sexuellen Vermehrung, bei der dann wieder winterharte Oosporen gebildet werden und der Zyklus beginnt von neuem.

 

Schadbild und Auswirkungen an den Pflanzen

Die Echten Mehltaupilze befallen vorrangig Blätter von Pflanzen, hier sollten auch die ersten Symptome wie beispielweise ein weißlicher Belag auf der Oberseite auffallen. Durch den Nährstoffentzug verfärben sich diese Blätter braun, fangen an zu welken, rollen sich zusammen, vertrocknen und sterben in der Regel ab.

Häufige Symptome an Pflanzen bei einem Mehltaubefall:
  • weißlich-gräuliches Pilzgeflecht auf Blättern und frischen Trieben
  • Verfärbung, Vertrocknung und Einrollen der betroffenen Blätter
  • Gelbe und braune mosaikartige Flecken auf der Blattoberseite
  • Starke Wachstumshemmungen und schlechter Allgemeinzustand
  • Verfaulen und Aufplatzen der Früchte
echter_mehltau_rose

Echter Mehltaubefall an einer Rosenblüte. Bildquelle: „Rose kaputt“ by Casey Hugelfink CC BY-SA 2.0

Im späteren Verlauf der Pflanzenkrankheit werden auch weitere Pflanzenteile wie Blattunterseite, Triebe, Blüten und Früchte befallen bis im Extremfall die gesamte Pflanze von einem weißlichen, mehlartigen Belag bedeckt ist. Neben dem Absterben der Blätter zeigen viele Pflanzen auch Wachstumshemmungen im Zuge des Nährstoffmangels. Interessanterweise zeigen die Weinrebe sowie Erdbeeren etwas andere Symptome bei einem Echten Mehltaubefall: Es bildet sich kaum weißlicher Belag, dafür rötliche Verfärbungen an der Blattunterseite. Die Blätter rollen sich nach oben ein. Bei der Weinrebe platzen die Trauben auf; bei Tomatenpflanzen die werden die Tomaten matschig und braun bis schwarz (siehe Bild unten). Da die Arten des Echten Mehltaus obligate Parasiten sind, also auf die Pflanzen als Wirte angewiesen sind, führt oftmals auch ein starker Befall nicht zwangsläufig zum Absterben der gesamten Pflanze. Häufig können die Wirtspflanzen noch einen längeren Zeitraum mit dem Pilz weiterleben.

Beim Befall sind die Pilze wenig wählerisch und so können im Prinzip alle grünen Pflanzen vom Echten Mehltau betroffen sein. Allerdings gibt es eine Reihe von Pflanzen, die sich wesentlich empfindlicher gegenüber dieser Pflanzenkrankheit zeigen als andere. Dazu gehören eine Reihe von Stauden und Sommerblumen wie die Sonnenblume, Lupine, Phlox, Edelwicke, Rittersporn und Staudenaster. Weiterhin zeigen auch einige Gehölzarten vermehrt Mehltaubefall, wie zum Beispiel die Rose, Berberitze, Ahorn, Eiche, Apfel, Fingerkraut, Mahonie, Rotdorn, Felsenbirne und viele weitere.

Prominente Beispiele im Gartenbau und Landwirtschaft von Echten Mehltau Arten und ihren Wirten
  • Podosphaera pannosa an der Rose
  • Uncinula necator an der Weinrebe
  • Podosphaera leucotricha an dem Apfel
  • Oidium lycopersicum an der Tomate

Kartoffelmehltau (Phytophthora infestans). Fortgeschrittener Befall einer Tomatenpflanze.

Auch der Falsche Mehltau befällt zuerst die Blätter der betroffenen Pflanzen, da dort die Spaltöffnungen liegen durch die er in das Pflanzengewebe eindringen kann. Erste Symptome sind dann ein flockiger, bläulich-gräulicher Belag auf der Blattunterseite. Da der Falsche Mehltau tiefer in das Pflanzengewebe eindringt, bilden sich im weiteren Verlauf der Pflanzenkrankheit sich auf der Blattoberseite gelb-braune Flecken, die mosaikartig auftreten können. Auch hier zeigen die betroffenen Blätter typische Symptome des Nährstoffentzugs wie Verfärbungen, Welken und Vertrocknungen. Die Pflanzen sind in der Regel stark im Wachstum gestört. Häufig sind Glashauskulturen oder Pflanzen im Wintergarten betroffen, da hier eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Viele Nutzpflanzen sind betroffen. Bei fortgeschrittenem Befall sind oftmals nicht nur Blätter und Jungtriebe, sondern ganze Fruchtstände betroffen. Diese zeigen neben dem typischen Pilzrasen zahlreiche gelb-braune, faulige Flecken und Stellen. Die befallenen Früchte sind ungenießbar und sollten umgehend entsorgt werden. Die Arten des Falschen Mehltau sind wirtsspezifisch, so kann man verschiedene Gattungen des Schädlings seinen Wirtspflanzen zuordnen:

Arten des Falschen Mehltaus und ihre Wirte
  • Gattung Phytophthora an Kartoffeln, Tomaten
  • Gattung Plasmopara an Sellerie, Möhren, Petersilie
  • Gattung Pseudoperonospora an Gurken, Kürbis, Melone, Hopfen
  • Gattung Bremia an Salat
  • Gattung Peronosporaan Erdbeeren, Zwiebeln, Raps, Kohlrüben, Erbsen

 

Ihre Pflanzen zeigen Symptome eines Mehltaubefalls?

Wir haben hilfreiche Tipps und Tricks wie Sie einem Befall vorbeugen und wie Sie den Mehltau bekämpfen können. Weiterhin sind wir auch an ihren Methoden und Tricks interessiert, wie Sie den Pflanzenschädlingen begegnen. Bei weiteren Fragen können Sie sich auch an unser Team wenden: info@mehltau.net